Johann H. Gorkiewicz  ▫Künstler
nach Tizian 'die Ehebrecherin' (KHM Kunsthistorisches Museum Wien), J.H.G.: Versöhnung, 2010, Öl auf Leinwand, 49x79 cm

nach Tizian 'die Ehebrecherin'
(Kunsthistorisches Museum Wien)
J.H.G.: Versöhnung

2010, Öl auf Leinwand, 49x79 cm,
große Ansicht

Text zum Bild, Fortsetzung:

... Arzt auf nonverbaler Ebene. Er sieht leicht kränkelnd aus, denn Heiler ziehen immer die Krankheiten aus der Umgebung an - wie ein Staubsauger - um sie auf diese Weise für andere zu transformieren ohne selbst größeren Schaden davon zu nehmen. Das Szenario - obwohl es der Bibel entnommen - weist jedoch einen sehr weltlichen Charakter auf. Man wußte zur damaligen Zeit Bescheid über diese 'weltlichen' Themen, über gesellschaftliche Probleme die zu einer Lösung drängten. Damals wie Heute. Deshalb auch für Heute und immer aktuell. Tizian konnte sich in seinem angesehen Berufsstand (wie es heute Ärzte, Heiler, auch Künstler sind) darüber erheben, sodass er dargestellte Personen als Metapher malte die in alltäglichen Situationen immer wieder auftauchen und die es zu meistern galt. So auch heute. Selbst wenn die Frau als 'Ehebrecherin' gegenüber den anderen sechs Männern dargestellt ist, ist ihr bewußt, dass sie über den Dingen steht und quasi als Theaterszene sich demütigend neigt. Dies tut sie der vier Unteren wegen, denn Provokationen war sie zur Genüge, oft nur wegen Neid und Eifersucht der 'Schönheit' wegen ausgeliefert. Man erinnere sich an den Pfiff von Bauarbeitern wenn an einer Baustelle eine 'Schöne' vorbeigeht. Geistig steht sie mit innerer Haltung gerade, aufrecht, dem Ratgeber, Heiler, Arzt verbunden. Nämlich: Sie will auch 'herunter', denn 'oben' ist die Situation immer drastischer! Emanzipation auf dieser Bewußtseinsebene ist intelligenter weil subtiler, als jene die auf nur(!) nach Außen gerichtete Frauenrechte pocht. Sie herrscht im Inneren. Auf diese Weise wird es ihr gelingen in eine Situation zu kommen, die ihr keinen spirituellen Schaden mehr zufügen kann: Begehrt von einem Starken, Einzigen den sie im Inneren leitet, führt, für die Unteren nicht erkennbar und zu seinem (auch materiellen) Schutz den sie schon längst auserwählt hat. Und als Metapher gemeint "wer von Euch ohne Fehler ist, beginne zuerst ...".
10. Mär 2010